Vergangene Ausstellung

Achtung Farbe!   I   19.11. – 17.12.2016   I   Daniel Behrendt, Peter N. Heikenwälder, Marc Taschowsky, Sebastian Tröger, Tobias Wyrzykowski   I   Galerie Elke Kramer Bremen

 

Eine Andeutung genügt

 

Tobias Wyrzykowski bewegt sich auf einem besonders traditionsreichen Feld der Kunst, nämlich auf dem der Landschaftsmalerei. Dass es ihm früh gelungen ist, einen eigenen Stil zu entwickeln, liegt u.a. daran, dass er sehr reduziert mit den Formen umgeht, die ein Bild zum Landschaftsbild machen. Nicht selten zeigt er nur wenige Flächen und einzelne Linien, die dafür ein umso schwungvolleres Eigenleben auf der Leinwand führen. Die Linie, ein eher weniger beachtetes Element der Abstraktion, lässt für ihn umso mehr Neues zu. Sie markiert und skizziert in knappster Form und häufig reicht ihm eine Andeutung dessen, was er bezeichnen will. Verbunden mit dem Titel der Arbeit vervollständigt sich dann das Bild im Kopf des Betrachters.

 

Ein nicht unwesentliches Element in Tobias Wyrzykowski Bildern ist eine Prise Humor, mit der er an die Arbeit geht. Sie äußert sich u.a. darin, sich keine hierarchischen Vorstellungen von landschaftsprägenden Elementen zu leisten. Er macht sich vielmehr zunutze, dass wir alles, was auch nur entfernt an einen Horizont erinnern könnte, auch so wahrnehmen wollen und wir dann den Rest als Landschaft dazu interpretieren. Da wird eine diagonale Linie vor einem blassblauen Hintergrund zu einem herabstürzenden Kometen. Zwei gelbe Linien stehen so zueinander, dass der Titel "See und Kran" eine Erläuterung gibt, auch wenn der kleine blaue Fleck, der zum See wird, im Verhältnis zum Kran nur die Größe eines Swimmingpools hat.

 

Tobias Wyrzykowski führt uns in seinen Bildern eine vereinfachte, aber keine simple Malerei vor. Das zeigt auch sein klarer und variantenreicher Einsatz von Farbe. Er benutzt sie dabei häufig in einer klaren, fast "reinen" Farbigkeit und trägt sie in allen möglichen Verdünnungszuständen auf. Die Naivität, die vermittelt über die einfachen Titel aufscheint, ist keine wirkliche, denn sie ist wohl kalkuliert. Sie macht wie nebenbei deutlich, wie wir sehen und denken: Nämlich, dass wir unbedingt einzelne Elemente zu einem stimmigen Ganzen verknüpfen, wenn nicht sogar zu ganzen Geschichten verknüpfen wollen.

 

(Elke Kramer 2017)